Vertragsanalyse: der Vertrag als Wissensmodell
Verträge werden nicht nur ausgelesen, sondern als Wissensmodell abgebildet: ein Graph aus Parteien, Pflichten und Klauseln, eingebettet in Rahmenvertrag, AGB, Gesetz und Rechtsprechung – mit Vorrangregeln als Daten, externen Quellen für Interessenkonflikte und einem Menschen, der bestätigt oder abwägt, wo die Regeln enden.
- Verträge & Quellen
- Wissensgraph
- Schichten
- Vorrangregeln
- Konflikte
- Bestätigen & Abwägen
- Interne Workflows
Das Problem
Ein Vertrag lässt sich heute schnell auslesen: Parteien, Laufzeit, Beträge, Fristen. Ob er unbedenklich ist, entscheidet sich aber erst im Zusammenhang. Gilt die Haftungsgrenze aus dem Rahmenvertrag oder die abweichende aus der Bestellung? Hat der Nachtrag die Kündigungsfrist wirklich geändert? Hält die Klausel vor zwingendem Recht? Und wer steht hinter der Vertragspartei – gibt es Verbindungen ins eigene Haus? Diese Prüfung ist meist Handarbeit, verteilt über Register, Tabellen, E-Mails und das Gedächtnis erfahrener Leute.
Der Ansatz
Der Vertrag als Wissensmodell. Aus jedem Dokument entsteht ein Graph: Parteien, Leistungen, Pflichten, Rechte, Fristen, Bedingungen und definierte Begriffe als Knoten; „verweist auf“, „definiert“, „ändert“ und „hat Vorrang vor“ als Kanten. Ein Verweis wie „gemäß Ziffer 4.2“ wird aufgelöst, eine Definition gilt dort, wo der Vertrag sie gelten lässt. Jeder Knoten trägt seine Fundstelle.
Die Schichten. Der Graph eines Vertrags steht nicht allein. Einzelvertrag oder Abruf, Rahmenvertrag, Anlagen und SLA, AGB und Nachträge bilden einen Stapel, und darüber und darunter liegt das Gesetz – zwingendes Recht als Grenze, dispositives Recht für das, was der Vertrag offenlässt, Rechtsprechung als Auslegung. Fassungen und Gültigkeitsdaten zeigen, was zu welchem Zeitpunkt galt.
Vorrang als Regelwerk. Widersprechen sich zwei Schichten, entscheiden Kollisionsregeln: lex superior, lex specialis, lex posterior und die Rangfolgeklausel des Vertrags selbst. Sie stehen als Daten im Modell, nicht als Sortierung im Code – und weil sie miteinander kollidieren können, hält das System bei jedem Konflikt fest, welche Regel ihn entschieden hat oder dass keine es tut.
Externe Quellen. Register- und Parteidaten sowie die eigenen Akten werden angebunden. Parteien und Personen werden über Quellen hinweg einander zugeordnet. So werden persönliche Interessenkonflikte sichtbar – Verbindungen zu eigenen Mitarbeitenden, Organen oder anderen Vertragspartnern – und Widersprüche zwischen Dokument und Quelle.
Wer entscheidet
- Das System nach Regel – wo eine Vorrangregel den Konflikt eindeutig löst, mit Regel und Quelle als Beleg.
- Der Mensch bestätigt – wo das Ergebnis klar ist, aber Rechtsfolgen hat: eine Klausel, die an zwingendem Recht scheitert, eine Abweichung vom Rahmenvertrag, ein Interessenkonflikt.
- Der Mensch wägt ab – wo keine Regel entscheidet: bei der Auslegung, bei Treu und Glauben, bei einer möglicherweise gröblich benachteiligenden Klausel. Das System legt die Positionen mit ihren Quellen nebeneinander.
In interne Workflows integriert. Befunde werden zu Prüfaufgaben und Freigaben in den bestehenden Systemen – mit Zuständigkeit, Frist und vollständigem Prüfpfad. Jede Entscheidung geht zurück ins Modell: wer, wann, mit welcher Begründung.
Was dabei herauskommt
Weniger blinde Flecken und kürzere Prüfzeiten, ohne die Entscheidung aus der Hand zu geben. Die Maschine liest, verknüpft und wendet Regeln an; wo die Regeln enden, entscheiden Menschen – und das System hält fest, wer was warum entschieden hat. Mit jedem geprüften Vertrag wächst das Modell, und der nächste geht schneller.
Der Gedanke dahinter steht im Insight „LLM-Extraktion ist nicht das Schwierige – das Wissen im Zusammenhang zu modellieren schon“.
Passt das zu deinem Vorhaben?
Erzähl mir in ein paar Sätzen, worum es geht – Prozess, Daten, Ziel. Den Rest klären wir im Gespräch.